A.6
Theorien und Grundlagen

Psychoanalyse und Nachbarwissenschaften

Psychoanalyse ist Theorie, Forschungsmethode, Krankheitslehre und Behandlungstechnik. In allen ihren Anwendungsbereichen ist sie interaktional. Dieser inhärenten Eigenheit liegen die Einflüsse aus verschiedensten Wissensbereichen zugrunde, die das psychoanalytische Denken von Beginn an geprägt haben – und umgekehrt. Insbesondere die Vorstellung von der Existenz des Unbewussten, dessen Einfluss auf das subjektive Erleben und das Verhalten sowie die Techniken, diese Prozesse zu erschliessen, haben Einfluss auf Geistes- und Naturwissenschaften.

In den Neurowissenschaften wurden Vorstellungen von den neuronalen Grundlagen des Bewusstseins, der Funktion von Affekten für das mentale Funktionieren oder auch von den den interpersonellen Prozessen zugrundeliegenden strukturellen und funktionellen Abläufen im Gehirn entscheidend von Erkenntnissen der Psychoanalyse geprägt. Anhand von Befunden und experimentellen Herangehensweisen werden diese Bezüge, die seitens der Neurowissenschaften nicht immer offen deklariert werden, vermittelt.

Ein offenerer Dialog mit der Psychoanalyse besteht bei den Politik- und Sozialwissenschaften, der Philosophie und der Sozialanthropologie, die in Theoriebildung und Methodik massgeblich durch psychoanalytisches Denken beeinflusst wurden. Auch auf Vorstellungen und Interpretationsmethoden von Literatur, bildenden Künsten, Theater und Film hatte die Psychoanalyse Einfluss. Diese spielen eine erhebliche Rolle für unser Verständnis von gesellschaftlichen Prozessen und Kultur und wirken sich auf die Theorienbildung in der Psychoanalyse aus.

Lernziele

  • Die Teilnehmenden kennen verschiedene Nachbarwissenschaften, die von der Psychoanalyse, ihren Erkenntnissen und Konzepten beeinflusst worden sind.
  • Sie verfügen über Wissen dazu, wie die Psychoanalyse von Nachbarwissenschaften, ihren Erkenntnissen und Konzepten geprägt ist.