B.9
Störungsbilder

Somatoforme Störungen

Patient:innen, die an Somatoformen Störungen leiden, gehören gemäss epidemiologischen Studien mit einer Prävalenz von zirka 10 Prozent in der Allgemeinbevölkerung zu den häufigsten Krankheitsbildern in Hausarztpraxen. Die hohe Beanspruchung des Gesundheitssystems, Chronifizierungen und Negativspiralen in der Beziehung zwischen Fachperson und Patient:in stellen spezifische Herausforderungen dar. Somatoforme, beziehungsweise somatische Belastungsstörungen müssen als biopsychosoziales Phänomen betrachtet werden, die einen interdisziplinären Behandlungsansatz erfordern. Dass Menschen mit erschwertem Zugang zu formaler Bildung, Fluchterfahrung und fehlenden Sprachkenntnissen sowie Frauen mit Migrationserfahrung gemäss Studien zu den Risikogruppen dieser Erkrankung gehören, verweist auf die Relevanz gesellschaftlicher Faktoren für Entstehung und Diagnostik dieses Störungsbildes, aber auch auf die Risiken diskriminierender Projektionen seitens Fachpersonen.

Lernziele

  • Die Teilnehmenden kennen die Grundlagen der Entstehung, Psychodynamik und Therapie von somatischen Belastungsstörungen mit besonderem Fokus auf die Beziehungsgestaltung.
  • Sie erhalten Einblick in verschiedene psychotherapeutische Ansätze der Behandlung von somatischen Belastungsstörungen in stationären, teilstationären und ambulanten Settings, mit besonderem Fokus auf die interdisziplinäre, multiprofessionelle Zusammenarbeit im Behandlungsteam.
  • Sie reflektieren ihre allfälligen Vorurteile in der Begegnung mit an diesem Störungsbild leidenden Patient:innen und behandeln sie mit mehr Fachkompetenz und Empathie.