B.1
Störungsbilder

Persönlichkeitsstörungen

Der Anteil von Patient:innen mit einer diagnostizierten Persönlichkeitsstörung in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Grundversorgung ist hoch. In der therapeutischen Beziehung konstellieren sich oft intensive Übertragungsdynamiken und Gegenübertragungsimpulse. In der psychoanalytischen Terminologie ist auch die Rede von «frühen», «präödipalen» oder «strukturellen» Störungen, sowie von spezifischen Abwehrmechanismen wie Spaltung und Projektiver Identifikation.

In der Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen bestehen erhebliche Unterschiede zwischen einer rein deskriptiven und einer psychodynamischen Diagnostik. Mit dem «strukturellen Interview» hat Otto F. Kernberg ein Verfahren zur psychodynamischen Erfassung verschiedener Persönlichkeits¬störungen entwickelt, die dimensional orientiert ist. Darauf aufbauend wird im Kurs eine Übersicht über verschiedene empirisch validierte evidenzbasierte psychodynamische Therapieverfahren zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen vermittelt: die «Transference-Focused-Psychotherapy» (TFP), die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) und die Strukturbezogene Psychotherapie nach Gerd Rudolf.

Ein Fokus liegt auf der Behandlung von persönlichkeitsstrukturell beeinträchtigen Patient:innen im stationären und teilstationären Setting und der interprofessionellen Zusammenarbeit im Team sowie der dabei häufig angewandten Integration verschiedener Therapieansätze (etwa der Dialektisch-Behaviouralen Therapie DBT oder des Sozialen Kompetenztrainings).

Lernziele

  • Die Teilnehmenden vertiefen ihre Kompetenz in der psychopathologisch und psychodynamisch fundierten Diagnostik der unter dem Begriff der Persönlichkeitsstörungen zusammengefassten Störungsbilder.
  • Sie lernen verschiedene evidenzbasierte Therapieansätze zur stationären und ambulanten Behandlung von Patient:innen mit Persönlichkeitsstörungen kennen und können diese in der multidisziplinären Zusammenarbeit im Behandlungsteam integrieren und kommunizieren.
  • Sie setzen sich mit den Besonderheiten in der therapeutischen Arbeitsbeziehung auseinander und können auch herausfordernde Therapiesituationen besser navigieren.