D.2
Rahmenbedingungen

Arbeit mit dem Umfeld

Dieser Kurs befasst sich mit den systemischen Aspekten innerhalb der psychoanalytischen Psychotherapie. Neben der intrapsychischen Dynamik und Eigenheiten der psychischen Struktur spielen die wechselseitigen Kräfte zwischen dem Individuum und seinem Umfeld eine erhebliche Rolle. Dies betrifft besonders junge Patient:innen, die in einer besonderen Abhängigkeit von Dritten (Eltern, Gleichaltrige und Sozialisationsinstanzen wie Schule, Lehrbetrieb oder Beistandschaft) stehen. Deren Haltung und Kooperation hat erheblichen Einfluss auf das Gelingen einer Psychotherapie. Auch bei Erwachsenen können Dritte (z.B. Partner:innen, Arbeitgeber oder Ämter) Gewicht haben.

Das Umfeld ist bedeutsam zum einen, weil es auf den:die Patient:in und auf die zu behandelnde Störung einwirkt, zum anderen weil Dritte häufig durch die pathologischen Symptomatiken der Patient:in mitbetroffen sind. Vorgestellt und diskutiert werden Wege, mit denen das Umfeld in die Behandlung direkt oder indirekt einbezogen werden kann. Einerseits geht es um die Beeinflussung negativer interpersonaler Dynamiken, andererseits um den Einbezug und die Stärkung salutogenetischer Ressourcen.

Die Arbeit mit dem Umfeld ist eng verwoben mit dem demografischen, sozioökonomischen und kulturellen Kontext von Patient:innen sowie mit dem bestehenden Rechts-, Sozial- und Gesundheitswesen und seinen Institutionen. Hierzu werden Kenntnisse vermittelt und ihre Bedeutung für die Möglichkeiten und Grenzen innerhalb der psychotherapeutischen Behandlung aufgezeigt.

Lernziele

  • Die Teilnehmenden kennen die äusseren Einflüsse und die Betroffenheit des Umfelds als Schnittstelle zwischen Individuum und Gesellschaft und können diese in ihrer Relevanz für die Behandlung adäquat einschätzen.
  • Sie sind vertraut mit Methoden zur Zusammenarbeit mit dem Umfeld der Patient:innen, insbesondere mit Angehörigen und im interdisziplinären Feld (Case Management, Aufgabenteilung, Anschlusslösungen).
  • Sie können eine bifokale Perspektive einnehmen im Sinne eines Zusammenspiels psychodynamischer und systemischer Einflüsse, Denkansätze und Methoden.
  • Sie wissen um die möglichen externen Einflüsse auf die psychotherapeutische Behandlung und die damit verbundene potenzielle Abhängigkeit von Dritten.