Patient:innen in verschiedenen Lebensaltern unterscheiden sich stark im Hinblick auf ihre psychische Entwicklung, ihre psychosoziale Einbettung und ihre Lebens- und Entwicklungsaufgaben. Dies hat Auswirkungen darauf, wie und welche Symptome beziehungsweise Störungen sich herausbilden, wie die Pathologie zu beurteilen ist sowie auf das Vorgehen in der psychotherapeutischen Behandlung. Kenntnisse hierüber sind nicht nur für die Arbeit mit der jeweiligen Altersgruppe relevant. Sie vertiefen allgemein das Verständnis der Psyche und der Entwicklungsinterdependenzen zwischen Individuum und Umwelt sowie die Kompetenzen im Umgang mit Herausforderungen, die in allen Altersgruppen auftreten können.
Der erste Teil des Kurses thematisiert Besonderheiten in Kindheit, Latenz und Adoleszenz. Schwerpunkte, die hier behandelt werden, sind Rückzug, forcierte Autonomie und Verweigerung, eingeschränkter Realitätsbezug, Mangel an Einsicht oder Leidensdruck, Provokation und Verwahrlosung. Viele dieser Symptome stehen in besonderer Weise an der Schnittstelle zwischen Individuum und Gesellschaft. Der zweite Teil behandelt Besonderheiten der Psychotherapie im fortgeschrittenen und hohen Alter. Schwerpunkte sind hier unter anderem nachlassende psychische Kräfte, Auseinandersetzung mit unerfüllten Wünschen, Erarbeitung realitätsbezogener Lebensziele und die Bewältigung von Einsamkeit, drohender Krankheit und Tod.
Auf der Ebene psychotherapeutischer Kompetenzen steht der Erwerb altersspezifischer Methoden der Dialogführung, Engagement und Beziehungsfähigkeit, Frustrationstoleranz und Konfliktbereitschaft, Belastbarkeit und Elastizität im Vordergrund. Behandelt werden weiter Anpassungen bei Therapiezielen und Umgang mit Therapieabbrüchen.
Lernziele
- Die Teilnehmenden vertiefen ihr Wissen über die Besonderheiten der Störungsentwicklung und Behandlung bei Patient:innen verschiedener Altersgruppen.
- Sie verfügen über methodische und persönliche Kompetenzen in der Zusammenarbeit mit jungen und älteren Patient:innen.
- Sie entwickeln ihre Fähigkeiten zur adaptiven Anpassung von psychotherapeutischen Zielsetzungen bei den verschiedenen Altersgruppen weiter.