Junge Patient:innen kommen nicht unbedingt brav in die Stunde, sitzen und sprechen. Oft genug agieren sie, verwickeln in Handlungsdialoge, versuchen sich zu verbergen oder tun ihre Meinungen und Absichten kompromisslos kund. Die Nähe junger Patient:innen zur eigenen Triebhaftigkeit, instabile Abwehren und unreife Ich-Funktionen können Therapien turbulent und die Verläufe unstet machen. Ähnlich verhält es sich bei Patient:innen mit unreifer psychischer Struktur. Genau diese „Schwächen“ stellen auf der anderen Seite bei jungen Patient:innen ein Potential dar: Psychodynamik und Konflikte sind „frischer“ und weniger durch eingeschliffene Abwehrformen verhärtet. Die innere Beweglichkeit ist oft höher, wodurch Blockaden leichter überwindbar sind.
Der Kurs befasst sich zum einen mit Behandlungstechniken zur Arbeit an Konflikten/Abwehren und zum Aufbau beziehungsweise der Stärkung von psychischen Strukturen. Es geht um Formen der Gesprächsführung und darstellerischer Kommunikation (Spiel, Zeichnungen). Zum anderen spielt die therapeutische Haltung eine wichtige Rolle. Junge Patient:innen fordern dem:der Therapeut:in ein hohes Engagement in der Beziehungsgestaltung und Klarheit in den eigenen Positionen ab. Die Bereitwilligkeit sich konfrontieren zu lassen, kann hoch und zugleich schnell erschöpft sein. In der Kooperationsbereitschaft und Therapiemotivation sind junge Patient:innen oft volatiler. Dies erfordert auf Therapeut:innenenseite eine erhöhte Elastizität nicht nur in der Interventionsgestaltung, sondern auch im Hinblick auf die Therapieziele. Letztere stehen in einem dialektischen Spannungsfeld zwischen Edukation/Anpassung und Analyse/Emanzipation.
Lernziele
- Die Teilnehmenden verfügen über Grundkenntnisse für einen behandlungstechnisch versierten Umgang mit Kindern und Jugendlichen.
- Sie schärfen ihre Wahrnehmung für deren Behandlung und allfällige Vulnerabilitäten der psychischen Struktur.
- Sie werden dazu motiviert, sich in der Behandlung junger Patient:innen weiterzubilden und dadurch einen Beitrag für die psychotherapeutische Versorgungssituation dieser Altersgruppe zu leisten.