Der Kurs behandelt einige Besonderheiten im Einleitungsprozess einer Psychotherapie mit jungen Patient:innen. Diese können grundsätzlich in allen Altersstufen auftreten. Bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird der Entwicklungsaspekt jedoch besonders deutlich. Ausgangspunkt der Betrachtung ist die klassische Trias der Therapieindikation: Bedarf, Eignung und Motivation. Beim Bedarf steht die Frage im Raum: Welche Auffälligkeiten sind entwicklungsbedingt „normal“ und möglicherweise passager? Wo stellen sie Blockaden dar, die weitere Entwicklungsschritte beeinträchtigen? Wie viel Entwicklungspotential ist in einer Stagnation feststellbar, und wie lässt sich seine Kraft in Entfaltung bringen? Bei der Prüfung der Eignung geht es darum, wie gut die Patient:in sich auf das Beziehungs- und Übertragungsangebot einlässt und Leidensdruck für Veränderung zu mobilisieren vermag. Bei der Motivation geht es um die Bereitschaft, sich auf einen gemeinsamen Prozess einzulassen, dessen Form und Ergebnis zu Beginn unklar sind und ängstigend sein können. Bei Minderjährigen kommt die Abhängigkeit der Patient:innen von den Eltern hinzu, welche eine latente Therapiemotivation erschweren kann.
Die Voraussetzungen für eine Therapie sind in dieser Altersgruppe oft nicht von Anfang an gegeben – und doch kann eine Therapie indiziert sein. Der Umgang damit (insbesondere mit der Therapiemotivation) ist eine wichtige psychotherapeutische Kompetenz und berührt auch Grundfragen der eigenen Haltung: Unter welchen Voraussetzungen kann und will ich Psychotherapie aufnehmen? Welche Alternativen stehen zur Verfügung? Diese Umstände sind bei der Indikationsstellung und der Festlegung der Therapieziele zu berücksichtigen.
Lernziele
- Die Teilnehmenden entwickeln die Fähigkeit zur Einschätzung von Psychopathologien und Therapiebedarf bei Kindern und Jugendlichen.
- Sie vertiefen ihre Fähigkeiten, systemische Aspekte bei der Indikationsstellung zu berücksichtigen.
- Sie können Therapiemotivation und Compliance bei Kindern und Jugendlichen einschätzen und wissen um Möglichkeiten, diese zu fördern.