C.3
Behandlungstechnik

Diagnostik I: Psychopathologie

In der deskriptiven Diagnostik steht das Bemühen um Objektivität im Vordergrund. Eine sorgfältige, beobachtungsbasierte psychopathologische Befundlage ist dabei die Grundlage für eine standardisierte Einordnung des Störungsbildes in ein gängiges psychiatrisches Klassifikationssystem (ICD-11, DSM-V). Dieses Vorgehen arbeitet dem Anspruch nach theoriefrei, das heisst unter explizitem Verzicht auf Erklärungen zur Entstehung der Störung. In ähnlicher Weise tritt die Ätiologie des Leidens in den Hintergrund; Vorrang hat bei der deskriptiven Diagnostik das gegenwärtige Zustandsbild.

Nicht nur aufgrund ihrer Verbreitung und Bedeutung ist deskriptive Diagnostik ein unverzichtbares Verfahren zur Einschätzung von Patient:innen. Sie ist bedeutsam für den interdisziplinären Austausch unter Fachleuten, für bestimmte Formen der Forschung, zum Beispiel Epidemiologie, sowie für die Begründung von Behandlungsbedürftigkeit im Gesundheitswesen. Sie hat darüber hinaus eine Wirkung auf die klinische Praxis, indem sie das (Selbst-)Verständnis der Patient:innen beeinflusst, aber auch Vorstellungen darüber, wie in einer Psychotherapie gearbeitet wird und was sie bewirken soll.

Lernziele

  • Die Teilnehmenden können psychiatrische Klassifikationssysteme sinnvoll anwenden.
  • Sie kennen Möglichkeiten und Grenzen deskriptiver Diagnostik und gehen reflektiert damit um.
  • Sie erweitern ihre Kompetenz in der präzisen Erfassung und Wiedergabe von Beobachtungsdaten.
  • Sie vertiefen ihre Kompetenz hinsichtlich der Vermittlung diagnostischer Befunde in multiprofessionellen, interdisziplinär arbeitenden Teams.