So unzweifelhaft Aggression zur Grundausstattung des Menschen gehört, so weit auseinander gehen die Ansätze ihrer Konzeptionalisierung. Der Kurs beschäftigt sich mit der Aggression aus unterschiedlichen psychoanalytischen Perspektiven sowie spezifisch dem Phänomen „Gewalt“ als einer konkreten Ausübung von Aggression, die uns auch in Psychiatrie und Psychotherapie herausfordert. Dabei beinhaltet Gewalt stets auch eine gesellschaftliche Dimension, so im Falle struktureller Gewalt, geschlechtsspezifischer, sexualisierter und häuslicher Gewalt.
Aggressivität und das Ausüben oder Erleben von Gewalt können Anlass für eine Psychotherapie sein und auch innerhalb einer Therapie auftreten. Gewaltverzicht ist eine notwendige Basis für therapeutisches Arbeiten. Die Arbeit mit Ausübenden und Betroffenen von Gewalt bringt spezifische Erfordernisse mit sich, deren Kenntnis für einen professionellen Umgang mit Aggression und Gewalt unabdingbar sind, sei es im stationären wie ambulanten Setting, im Einzel-, Paar- oder Familiensetting. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren im Sozial- und Gesundheitswesen oder der Justiz, das Wissen über präventive und deeskalierende Strategien, zu Aspekten wie Selbst- und Fremdgefährdung, Zwangsmassnahmen, ethischen und juristischen Fragestellungen. Eine psychoanalytische Grundhaltung kann dabei unterstützen, die mit Aggression und Gewalt einhergehenden komplexen intra- wie interpsychischen Dynamiken besser zu verstehen, auch in ihrer Auswirkung auf die therapeutische Beziehung, auf Übertragung und Gegenübertragung.
Lernziele
- Die Teilnehmenden kennen verschiedene psychoanalytische Konzeptionalisierungen von Aggression und Gewalt sowie die hierbei relevanten gesellschaftlichen Dimensionen.
- Sie erarbeiten eine professionelle Haltung im Umgang mit Aggression und Gewalt und erweitern ihre Handlungskompetenzen (Prävention, Deeskalation, Psychoedukation, Aggressionsmanagement im Gesundheitswesen, Vernetzung mit weiteren Akteuren).
- Sie setzen sich mit ethischen und rechtlichen Fragestellungen im Zusammenhang mit Aggression und Gewalt auseinander (Zwangsmassnahmen, strafrechtliche Aspekte, Opferhilfegesetz, Istanbul-Konvention).
- Sie sind informiert über die im Zusammenhang mit Gewalt relevanten Aspekte hinsichtlich Berufsethik und Berufspflichten.